Schürzen | Schoosse


23. November 2012 — 20. Mai 2013

Die Schürze war bis in die 1960er Jahre ein allgegenwärtiges Kleidungsstück. Für Generationen von Frauen und Männern war es undenkbar, keine Schürze zu tragen. Im Vordergrund standen zwei ineinandergreifende Muster - das Schaffen in der Schürze und das Schonen mit der Schürze. In Schürzen wurde geputzt, gewaschen, bedient, gebacken, geschustert und gemetzget und dabei stets die Kleidung vor Schmutz und Abnutzung bewahrt. Schürzen sollten aber auch schmücken und auszeichnen. Und sie transportierten unterschiedliche Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit.

Erste Männerschürzen sind im 13. Jahrhundert belegt. Parallel zum Aufkommen des Zunftwesens entwickelte sich die Schürze zum repräsentativen Kennzeichen bestimmter Handwerksberufe wie Schmied, Bäcker oder Schuster. Als textiles «Werkzeug» waren sie in Schnitt und Material den jeweiligen Arbeitsprozessen angepasst. Mit der fortschreitenden Mechanisierung und dem Verschwinden manueller Produktionsweisen verloren die Männerschürzen an Bedeutung. Ab den 1930er Jahren eroberten Arbeitsmäntel (Kittel) die Fabriken und später bestimmten Übergewänder, Overalls und Latzhosen die Berufsbekleidung der Männer. 

Als eigenständiges Kleidungsstück setzte sich die Frauenschürze erst im 16. Jahrhundert durch. Die über dem Rock getragene Halbschürze wird nun zum festen Bestandteil in der Frauenkleidung. Erste Schürzen mit angenähten Lätzchen kamen am französischen Hof in Mode und entwickelten sich im 19. Jahrhundert als weiss verzierte Latzschürzen mit Rüschen und Spitzen zum Symbol bürgerlicher Häuslichkeit. Auf dem Lande verbreitete sich später die schlichtere Variante, die weisse Sonntagsschürze mit dekorativem Hohlsaum. Farbige Latzschürzen kamen um 1910 in Mode.

Während für Männer das Tragen der Schürze auf die Berufsarbeit begrenzt war, trugen Frauen Schürzen in sämtlichen Lebenslagen und zu allen Tätigkeiten, von frühmorgens bis zum Schlafengehen, werktags und sonntags. Dafür wechselten sie diese mehrmals täglich: im Haushalt die Währschafte, im Garten die Geflickte, beim Waschen die Verbrauchte, zum Heuen die Praktische und beim Gang ins Dorf die Schöne. Das omnipräsente Schürzentragen signalisierte Sauberkeit und Ordentlichkeit und war vor allem Ausdruck für unermüdliches Tätigsein. In den 1960er Jahren wird das Ablegen der Schürze zum Zeichen für ein neues Frauenbewusstsein und ist gleichzeitig eine Folge des zunehmenden Wohlstands. 

Das Museum Appenzell zeigt über 70 Alltags- und Berufsschürzen. Ergänzt werden diese durch eindrückliche Bilder von Hans Caspar Ulrich (1880–1950) und Carl August Liner (1871–1946) sowie einer reichen Auswahl an Fotos, die einen Zeitraum von 1890 bis heute abdecken. Auch das Schürzennähen - in der Fabrik oder selbst gemacht - wird thematisiert. Schürzennäherinnen, welche für Alice Kriemler-Schoch (Akris) arbeiteten, geben dazu einen spannenden Einblick in ihren Berufsalltag.

Ausstellungsflyer

Mutter in gestreifter Schürze mit Baby, Foto: Emil Grubenmann sen., um 1960
Blick in die Ausstellung: Fotowand «Schürzen tragen heute» von Luzia Broger, 2013

Die Schürze war bis in die 1960er Jahre ein allgegenwärtiges Kleidungsstück. Für Generationen von Frauen und Männern war es undenkbar, keine Schürze zu tragen. Im Vordergrund standen zwei ineinandergreifende Muster - das Schaffen in der Schürze und das Schonen mit der Schürze. In Schürzen wurde geputzt, gewaschen, bedient, gebacken, geschustert und gemetzget und dabei stets die Kleidung vor Schmutz und Abnutzung bewahrt. Schürzen sollten aber auch schmücken und auszeichnen. Und sie transportierten unterschiedliche Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit.

Erste Männerschürzen sind im 13. Jahrhundert belegt. Parallel zum Aufkommen des Zunftwesens entwickelte sich die Schürze zum repräsentativen Kennzeichen bestimmter Handwerksberufe wie Schmied, Bäcker oder Schuster. Als textiles «Werkzeug» waren sie in Schnitt und Material den jeweiligen Arbeitsprozessen angepasst. Mit der fortschreitenden Mechanisierung und dem Verschwinden manueller Produktionsweisen verloren die Männerschürzen an Bedeutung. Ab den 1930er Jahren eroberten Arbeitsmäntel (Kittel) die Fabriken und später bestimmten Übergewänder, Overalls und Latzhosen die Berufsbekleidung der Männer. 

Als eigenständiges Kleidungsstück setzte sich die Frauenschürze erst im 16. Jahrhundert durch. Die über dem Rock getragene Halbschürze wird nun zum festen Bestandteil in der Frauenkleidung. Erste Schürzen mit angenähten Lätzchen kamen am französischen Hof in Mode und entwickelten sich im 19. Jahrhundert als weiss verzierte Latzschürzen mit Rüschen und Spitzen zum Symbol bürgerlicher Häuslichkeit. Auf dem Lande verbreitete sich später die schlichtere Variante, die weisse Sonntagsschürze mit dekorativem Hohlsaum. Farbige Latzschürzen kamen um 1910 in Mode.

Während für Männer das Tragen der Schürze auf die Berufsarbeit begrenzt war, trugen Frauen Schürzen in sämtlichen Lebenslagen und zu allen Tätigkeiten, von frühmorgens bis zum Schlafengehen, werktags und sonntags. Dafür wechselten sie diese mehrmals täglich: im Haushalt die Währschafte, im Garten die Geflickte, beim Waschen die Verbrauchte, zum Heuen die Praktische und beim Gang ins Dorf die Schöne. Das omnipräsente Schürzentragen signalisierte Sauberkeit und Ordentlichkeit und war vor allem Ausdruck für unermüdliches Tätigsein. In den 1960er Jahren wird das Ablegen der Schürze zum Zeichen für ein neues Frauenbewusstsein und ist gleichzeitig eine Folge des zunehmenden Wohlstands. 

Das Museum Appenzell zeigt über 70 Alltags- und Berufsschürzen. Ergänzt werden diese durch eindrückliche Bilder von Hans Caspar Ulrich (1880–1950) und Carl August Liner (1871–1946) sowie einer reichen Auswahl an Fotos, die einen Zeitraum von 1890 bis heute abdecken. Auch das Schürzennähen - in der Fabrik oder selbst gemacht - wird thematisiert. Schürzennäherinnen, welche für Alice Kriemler-Schoch (Akris) arbeiteten, geben dazu einen spannenden Einblick in ihren Berufsalltag.

Ausstellungsflyer

Blick in die Ausstellung: weisse Sonntagsschürzen mit Hohlsäumen
Servierfrauen auf dem Säntis, Foto: Emil Grubenmann sen., um 1955
Steinmetze an der Arbeit für die Renovation des Kirchturms der Pfarrkirche St. Mauritius, Appenzell, Foto: Egon Müller, 1923
Blick in die Ausstellung: Schürzen eines Eisenhändler-Chauffeurs (links) und eines Küfers oder Getränkehändlers (rechts)
Klassenfoto, Mädchen mit Schürzen, 1958
Blick in die Ausstellung: farbige Alltagsschürzen
Mädchen auf dem Schulweg mit karierter Schürze, Ende 1950